Freitag, 4. September 2020

Tag 18 - Ein Tag in Pfunders

Eine ereignisreiche Wanderwoche ist schon wieder um, seit wir Innsbruck hinter uns gelassen hatten. Somit steht uns gem. Wandertarifvertrag ein Ruhetag zu und diesmal soll Ruhe wirklich im Vordergrund stehen. Die touristischen Sehenswürdigkeiten des Pfunderer Tals beschränken sich auf die Berge rechts und links und diese müssen heute tabu bleiben, auch wenn das Wetter perfekt wäre.

Tja, was kann ich da heute schreiben. Vielleicht als Lückenfüller ein paar Hintergründe zu unserer Tour. Ein gewisser Ludwig Grassler war der Pionier und hat in den 70er Jahren einen wanderbaren Weg von München nach Venedig gesucht. Das stellt man sich in Zeiten von Mobiltelefon und Internet ganz unkompliziert vor, aber so ohne alles, war das schon eine Leistung und es bedurfte einiger Versuche und Arbeit, um gangbare Etappen mit Unterkünften zu finden. 1977 hat er das erste Buch dazu veröffentlicht. 28 Etappen, 550km und gut 20.000 Hm waren und sind es auch heute noch. Mittlerweile gibt es zahlreiche Varianten und Möglichkeiten dazu. In den 28 Etappen ist es schon recht sportlich und wir strecken es an manchen Stellen. An anderen wieder laufen wir eigentlich nicht vorgesehene Gipfel an und nehmen Umwege in Kauf.

Auf unserem ersten Dolomitenhöhenweg von Prags nach Belluno trafen wir auf München - Venedig - Wanderer und waren von der Idee sofort begeistert. Ok, Teile von uns waren begeistert und der schreibende Teil hörte allenfalls interessiert zu 🤣 Aber eigentlich stand von da an fest, das machen wir auch mal. Im ersten Jahr des Ruhestandes vielleicht - so wie die Herren damals es taten.

Jährlich startet am 08.08. 8:00 Uhr der Wandertreff München-Venedig an der Mariensäule
Auf so ein Massenereignis hatten wir keine Lust. Eigentlich wissen wir nicht mal, ob das überhaupt ein Massenereignis ist. Auf jeden Fall hat sich München-Venedig über die gut 40 Jahre zu einem der beliebtesten Weitwanderwege entwickelt. Es gibt sicher deutlich schnellere Alpenüberquerungen wie Oberstdorf-Meran, die locker in einer Woche erledigt werden können. Aber diese Tour hat ihren besonderen Reiz und verbindet zwei Großstädte und die von uns so geliebten Kalkalpen im Norden (Karwendel) und Süden (Dolomiten) miteinander.

Im Ruhestand sind wir nun leider noch nicht. Das immer in weitere Ferne rückenden Pensionsalter hat uns die Tour dann doch etwas vorziehen lassen. Wer weiß schon, wenn wir wirklich mal in den Ruhestand gehen können. Vermutlich kommen da zum aktuellen Stand nochmal 5 Jahre dazu. Irgendwer muss ja den wundersamen Geldsegen, der Dank Corona über dem Land ausgeschüttet wird, auch mal wieder reinholen. Und so wurde die Tour dannnoch lange vor Corona für unser 50. Lebensjahr geplant. Fast machte uns der Virus einen Strich durch die Rechnung, aber bislang lief diesbezüglich alles problemlos.

So, nun  zurück zum Thema. Ihr wollt ja die Tour mit uns erleben und  ein klein wenig gibt es ja auch von heute zu berichten 😄

Unsere FeWo auf dem Wieserhof ist ok, die Wirtin ist einfach nur fantastisch. 3 Wohnungen gibt es hier und es ist wirklich Urlaub auf dem Bauernhof. Frühstück und Abendessen sind oberlecker. Auf der Sonnenbank vor dem Haus können wir uns erstmal erholen, während unsere durch das Schmuddelwetter arg verdeckten Klamottenl in der Maschine rumpeln und danach wieder duften wie zum Start München.

DoDo mit dem Waschpaket am Wieserhof

Nach Frühstück und Wäscheservice erstmal Raubtierfütterung
und auch sonst ist für reichlich Streichelzoo in Pfunders gesorgt 😻
Wir sitzen also eine ganze Weile auf der Bank vorm Hof und genießen einfach nur das Dasein und vor allem die Sonne. Doch dann wollen wir doch zu einem Dorfrundgang starten. Immerhin bestätigen uns unsere Fitnesuhren eine noch nie dagewesene Siegesserie... 19 Tage Schritteziel in Folge. In Zeiten von Homeoffice muss diese Serie verteidigt werden. Auf geht's.

Auch faul dasitzen und in die Sonne starren macht hungrig. Erstmal zu runter ins Dorf zum Gasthof Brugger, dem einzigen im Ort. Dort angekommen, erklärt man uns kurz vor 13 Uhr, dass leider alles reserviert ist. Im leeren Gasthaus in dieser gottverlassenen Gegend? Hätte sie gesagt, sie hat keinen Bock was zu machen, wäre es wenigstens eine ehrliche Antwort gewesen. Zumindest sind wir froh, dass wir nicht dort abgestiegen sind. Aber auch eine Antwort auf die Buchungsanfrage war ja offensichtlich schon zu viel verlangt.
Dafür gebe ich doch gerne mal eine 1-Sterne-Bewertung ab.

Wir laufen hinauf in Richtung Kirche und die Bar daneben bereitet uns zwei leckere Brötchen zu. Einen frisch gepressten Karotten-Apfel-Saft und wir kommen über den Tag. Das Kirchlein wird besichtigt
und danach geht's auf dem Höfeweg einmal durch den Ort. Auf knapp 9km verbindet er die Bauernhöfe aus denen Pfunders letztlich nur besteht. Alle sind fleißig am arbeiten und nutzen den ersten richtig sonnigen Tag um Heu zu machen. Die Kühe sind zwar auf den Almen, aber brauchen ja auch im Winter was zum pickern.

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Die 10.000 Schritte sind so locker geschafft. Übrigens alles Betrug diese Fitnesstracker, für so einen Spaziergang durch den Ort gab es 20.000 Schritte für die 9h-Tour vom Vortag gerade mal 27.000 😳

Am Abend gibt es Schlutzkrapfen und wieder die Geschichten vom Peter. Alleinstehender Herr aus dem Allgäu, der schon seit dem letzten Jahrtausend seinen Urlaub auf dem Wieserhof verbringt. Zirbenschnaps noch dazu, wie soll ich da meinen Bericht schreiben... *schwitz*


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