Mittwoch, 9. September 2020

Tag 24 - Spaziergang über den Bindelweg

Heute wird es gemütlich. Nach den doch recht anspruchsvollen Touren der letzten Tage steht heute aktive Erholung auf dem Programm. Der Bindelweg soll begangen werden. Faktisch das Pendant zu einem Spaziergang über die Bastei in den Dolomiten. Die Aussicht kann locker mithalten, der Besucherandrang auch. Dazu sind noch 12h Sonnenschein gemeldet, ein Traum.

Erstmal gemütlich ausgeschlafen und gefrühstückt. Dann unsere Wäsche in Empfang genommen.
Hier bringen wir die Wäsche jetzt immer hin 🤣

Auf dem Pass herrscht schon Hochbetrieb als wir dann aufbrechen.
Wir klappern erstmal die Souvenirshops ab. Meine Kosmetik war etwas knapp kalkuliert und es bedarf Nachschub, sonst bekommen wir bald keine Bleibe mehr. Schon etwas frustriert, werden wir im dritten und letzten Shop fündig. Hier gibt es nicht nur den üblichen Ramsch von Filzhüten, Schnitzkunst und Murmeltiersalbe, sondern auch ein kleines Sortiment an Hygieneartikeln für verwahrloste Bergsteiger.
Dann verabschieden wir uns von der Sella. 
Noch ein kurzer Blick zurück zum Pass und dann hinauf zur Kapelle.
Immer wieder ein mulmiges Gefühl, wenn man die vielen Gedenktafeln derer sieht, die es nicht ins Tal zurück geschafft haben.

Dann beginnt die große Panoramatour.
Der gewaltige Langkofel wirkt von hier ganz harmlos und hinterm Rucksack versteckt sich schon der Rosengarten mit seinen wilden Zacken.
Die Gipfelpyramide des Piz Boe möchte auch noch fotografiert werden. Schließlich standen wir noch gestern dort oben. Einmal wieder in Laufrichtung gedreht ubd wir sehen das morgige Ziel
die Marmolada, den höchsten Punkt der Dolomiten.
Allein sind wir auf der Bindelweghütte natürlich nicht. Der Weg hierher ist für fast jeden machbar, der noch 3km am Stück laufen kann. Entsprechend groß ist der Andrang. Auf dem Weg verteilt sich das aber ganz gut. Man merkt das Fehlen der Reisebusse, deren Insassen sich sonst im Pulk über den Weg ergießen. Wir treffen noch auf die beiden Münchner, die wir am Grödner Joch kennenlernen durften. Sie hatten direkt in der kleinen Gipfelhütte auf dem Piz Boe genächtigt. Sicher auch ein tolles Erlebnis, aber halt ohne Wäscheservice und 4-Gänge-Menü 🤣

Dann wird der Weg etwas unbequemer, ohne aber an Qualität einzubüsen. Der Fedaia Stausee bereichert von nun an das Panorama. 
Bei dem Wetter heute schon eine fast kitschige Postkartenidylle.
Die letzten steilen Meter hinab zum See verschrecken dann sicher den einen oder anderen Genusswanderer. Hier sollte man sich schon auf abschüssigem Rollsplit wohl fühlen, sonst endet es schnell im Krebsgang.

Am Einstieg dann auch entsprechende Warnhinweise für die Birkenstockalpinisten. Für meine escursionista esperta natürlich kein Problem 😄

Und schon geschafft für heute. Einmal über den Staudamm und wir stehen am Hotel Dolomia. Eigentlich ganz in Ordnung, aber Duschvorhänge gehen gar nicht. Wahrscheinlich habe ich da ein spätpubertäres Trauma aus dem Studentenwohnheim in Münster nicht verarbeitet. Ständig wollten sich dort diese glitschigen Vorhänge am Körper festsaugen.

Wir haben noch Zeit und überlegen ins Kriegsmuseum zu gehen. Wie an vielen Stellen in den Dolomiten hat auch hier der erste Weltkrieg zu viel Leid und Tod geführt. Von den angelegten Wegen und Kriegsstellungen können Wanderer aber noch heute profitieren. Wenn es darum geht, möglichst viele Artgenossen aus dem Weg zu räumen, scheut der Mensch halt keinen Aufwand.

Nun zum Museumsbesuch kommt es nicht. Wir sind schockiert. Eigentlich wollten wir checken, wann morgen die erste Seilbahn zum Gletscherfuß fährt. Die Seilbahn wurde aber bereits im letzten Jahr stillgelegt und fährt nun gar nicht mehr. Sicher war die Korbseilbahn auch selbst schon ein Museumsstück, aber sie hätte halt den Aufstieg um 600 Hm verkürzt. Wir sind nicht sicher, ob es nun ohne diese Hilfe noch für den Gipfel reicht. Frühstück ist nicht vor halb 8 möglich und am Nachmittag besteht Gewittergefahr. Tödlich an einem Klettersteig auf einem Grat zum höchsten Berg weit und breit.
Den Schock müssen wir erstmal verdauen. Aber Tiramisu hilft ja bekanntlich immer, der Name ist da Programm.

Falls es morgen nicht gleich einen Bericht gibt, keine Sorgen machen. Wir wurden dann sicher nicht vom Gewitter gegrillt und sind hoffentlich auch nicht in einer Gletscherspalte verschollen. Wir sind einfach auf einer Hütte ohne WLAN und vermutlich ohne Netz.




1 Kommentar:

  1. dieser Himmel, eine Pracht, und dieses Panorama herrlich

    hoffentlich klappt morgen alles gutes Gelingen wünsche ich

    lg V

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