Samstag, 12. September 2020

Tag 26 - Zurück zum Traumpfad


Die Kombination aus Weitwandern und alpinen Abenteuern ist zu unserem Leidwesen gewaltig vom Wetterglück abhängig. Schon am Alpenhauptkamm hatten wir damit etwas Pech und mussten auf den schönen Gratweg verzichten. Aber es gehört halt zum Bergsteigerleben dazu, auch mal zu scheitern. Man kommt nicht an jedem Tag auf jedem Weg auf einen 3.000er und braucht dazu die passenden Bedingungen. Wir kommen halt nochmal wieder, bei schönen Wetter und mit weniger Gepäck. Die Aufstiegsroute ist dann auch schon klar. Das Gehampel über den nur noch aus Schutt und Eis bestehenden Gletscher tun wir uns nicht nochmal an und nehmen dann den Südanstieg vom Rifugio Contrin.

Der dennoch schöne Abstecher über die Marmolada hat uns auf jeden Fall etwas vom Weg nach Venedig abgebracht. Der eigentliche Traumpfad verzichtet auf solch alpine Spielereien und folgt vom Fedaiasee der Passstraße hinab nach Malga Ciapela. Unser hübsches Quartier liegt am westlichen Ende des Gebirgstockes, so müssen wir nun zurück auf den Pfad der Tugend und queren unter den gewaltigen Südwänden der Marmolada gen Osten.

Am späten Abend hatte es noch geregnet und die Almwiesen sind feucht. Zunächst folgen wir dem gestrigen Abstiegsweg wieder aufwärts. 400m höher teilt sich dann der Pfad und wir müssen (auf dem Bild oben) nach rechts in die Wolken.

Eine Stunde später sind wir dann am Abzweig, die Wolken sind immer noch dort.
Also einfach kurz umdrehen und tatsächlich, rückwärts laufen würde die deutlich schöneren Ausblicke liefern.
Wir passieren die Stelle des Flugzeugunglücks von 2013 mit einer kleinen Gedenktafel. Etwas oberhalb sind noch kleinere Trümmerteile zu entdecken.
Nach gut 2h stehen wir dann auf dem höchsten Punkt des Tages dem Pass de Ombretta auf 2.700m Seehöhe.

Wie es ein Pass so an sich hat, geht es auf der einen Seite hoch und drüben wieder runter. Am Anfang noch steil und dann gemächlicher in das Tal des Torrente Pettorina, der uns bis zum Ziel in Caprile bei unseren 1.700m Abstieg begleiten wird.

Plötzlich fühlen wir uns irgendwie beobachtet. Zwei Steinböcke starren uns interessiert an und wir schauen noch interessierter zurück 🐐
. 
Geduldig lassen sich die beiden ablichten und scheinen es zu genießen im Mittelpunkt zu stehen. Da Steinböcke nicht bejagt werden, haben sie nicht die Scheu vorm Menschen wie Gämsen. Na zumindest hocken sie nicht auf dem Weg und lassen uns durch.

Am urigen Rifugio Falier ist dann erstmal Zeit für eine Rast und eine Portion Spaghetti. Man merkt deutlich, wir sind nun endgültig im italienischen Teil der Dolomiten angekommen.

Über die Malga Ombretta geht's weiter das Tal hinunter.
Ein paar Regentropfen ziehen durch das Tal. Wir haben die hochalpine Region schon verlassen und die Almstraße erlaubt das Gehen mit dem Schirm, kein Problem also. Das sieht auch der Regen ein und verzieht sich bald wieder. Am Nachmittag wird sich dann wie versprochen die Sonne komplett durchsetzen.

In Malga Ciapela dann die Ernüchterung. Der Weg durch den Serrai di Sottoguda ist gesperrt. Bereits im Herbst 2018 hatte hier das Orkantief Vaia gewütet und alles zerstört. Ganze Dörfer waren über Tage ohne Strom und selbst in Venedig hat das Tief für den vierthöchsten je gemessenen Pegel gesorgt.

Es hilft also nix. Wir müssen der Straße folgen.
Auch an den Hängen sind die Sturmschäden noch sichtbar. Wir versuchen weiter unten wieder auf den Wanderweg zu kommen, doch auch kleine Brücken, die in den Karten noch verzeichnet sind, gibt es nicht mehr. Muss ganz schön gewütet haben hier.

Sottoguda selbst ist ein beschauliches Bergdorf mit vielen kleinen Gasthöfen und Pensionen. Was aus denen wird, wenn der Canyon als die Hauptattraktion weit und breit noch länger unzugänglich bleibt, kann man sich ausmalen.
Nach 6km auf der Straße dann doch noch die Möglichkeit auf einen Wanderweg zu wechseln. Das tut den Füßen gut. Irgendwie ist es für die Füße auf dem monotonen Untergrund auf Dauer unangenehm.

Schließlich erreichen wir den Talort Caprile. Von hier müssen wir noch knapp 5km entlang der Straße nach Alleghe. Dort erwartet uns unser nächster Ruhetag mit FeWo. Wir müssen also noch was einkaufen. Es ist mittlerweile auch schon halb 6. Wir entscheiden kurzerhand direkt in Caprile einzukaufen und die letzten 5km den Bus zu nehmen. Dann müssen wir in Alleghe nicht nochmal los. Nach 1.700m Abstieg sind die Beinchen auch schon müde.

Wir werfen noch einen Blick auf den Berg der kommenden Tage. Die Civetta, auch einer der 3.000er der Dolomiten. Aber keine Sorge, hier haben wir keine Besteigungsambitionen... Obwohl 🤣

Abend gegessen wird in der FeWo. Zur Abwechslung gibt es mal was anderes, Spaghetti al Ragu. Geht halt am schnellsten und füllt die Kohlenhydratspeicher wieder auf.

Wir freuen uns auf jeden Fall auf einen Ruhetag am See. Die letzten Etappen waren mit Ausnahme des Spaziergangs auf dem Bindelweg schon recht anspruchsvoll und die Wadeln brauchen eine Pause 😴




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