Samstag, 19. September 2020

Tag 34 - Durch die Hügel des Nevegal

Abendstimmung in Belluno

Gestern haben wir nochmal hin und her überlegt, ob wir etwas Ballast nach Hause schicken. Bis Venedig benötigen wir weder die Schlafsäcke noch Gurt und Grödeln. Das wäre jeweils ein gutes Kilo weniger. Da wir noch nicht genau wissen, was wir die Tage nach Venedig anstellen, haben wir uns dann doch entschieden, alles mitzunehmen. Wer weiß, was uns einfällt. Wir mussten ja einige Touren dem Wetter opfern.

Was uns uns heute einfällt, steht aber zum Glück schon fest. Es geht nochmal etwas bergauf in die Hügel des Nevegal, faktisch das Pendant der bayerischen Voralpen auf der Südseite. Immerhin werden nochmal knapp 1.000 Hm gefordert. Die geht es gemächlich nach oben und zum Schluss steigen wir dann steil wieder ab.

Apropos bergab... die ersten 60m zum Piave geht's recht bequem mit einer ganzen Serie von Rolltreppen. Wenn man das ausbaut, können wir die ganze Tour nochmal mit dem Rollator angehen, wenn es soweit ist 😄

Am Piave angekommen, erstmal Orientierungsschwierigkeiten.
Mit dem Auto ist schon alles ausgeschildert, aber wie zu Fuß durch die allgegenwärtigen Kreisverkehre kommen?
Schließlich erreichen wir unser Brücklein über den Piave und können nochmal zurück zur Stadt schauen. Schön war es hier. Dem Piave dürfen wir aber heute noch nicht folgen, er fließt in einem großen Bogen um den Nevegal. Wir werden ihn übermorgen wieder sehen. So zumindest der Plan.

Erst durch die Straßen der Vororte, dann durch angenehm schattige Wege steigen wir höher und erreichen die Weinberge. 
Dann folgt eine gefühlt endlos lange Straßenwanderung durch das Valle Cicogna. Die Gegend ist eigentlich ganz nett und hätte es verdient, dass man dem Tal einen Wanderweg spendiert. Auf der Straße nervt es aber. Viel Verkehr ist sicher nicht, aber wenn ständig die Radler an einem vorbeihuschen und grüßen, wird man das Gefühl nicht los, hier die falsche Fortbewegungsart gewählt zu haben.

Im Weiler Tassei ist dann Zeit für ein Picknick
mit schönem Blick ins Tal
Dann nochmal 4km die Straße hoch
das nervt echt.

Schließlich erreichen wir die Malga Montegal und gönnen uns einen Kaffe und etwas Süßes. Dann endlich geht es auf Almwegen weiter, eine Erholung für die Füße. 
Die Fauna hat sich auch gewandelt. Keine Murmeltiere, Steinböcke und Gämsen. Dafür wuselt es in den Trockenmauern, die Reptilien sind aktiv.
Schließlich erreichen wir die Hochfläche der Pian delle Femme mit Hütte und Agriturismo Vecchia Casa. Der hat uns leider auf unsere Buchungsanfrage nicht geantwortet, sonst hätten wir gerne hier oben geschlafen und die Tour noch etwas über den Nevegal ausgedehnt. Auf das eigentümliche Rifugio am Gipfel hatten wir keine Lust.

Nun folgen 1.000m Abstieg. Die alte Mulatiera (Eselsweg) ist in einem so schlechten Zustand, dass Sturzacker die treffendere Bezeichnung für den Weg wäre.
Steine sind locker und immer wieder ist der Steig komplett weggespült oder Bäume liegen quer. So macht das keinen Spaß und wir wechseln auf halber Höhe auf einen Fahrweg, der den Hang in großen Kehren abwärts führt. Dauert zwar länger, aber man muss nicht jeden Stein umdrehen, bevor man drauf tritt.

Gegen 17:30 Uhr erreichen wir dann das Örtchen Revine, unser Tagesziel.
Blick von der Klostermauer
Blick auf die Klostermauer

Durch die engen Gassen mit gepflegten alten Häusern und an der Kirche vorbei hinab zur Hauptstraße
Noch ein paar Meter und wir sind am Hotel Ai Cadelach, unserer Bleibe.
Im Netz steht so schön geschrieben, man kommt sich als Weitwanderer etwas fehl am Platze vor. Das würde ich sofort bestätigen. Eine schicke Hochzeitsgesellschaft ist am Feiern und die ganze Anlage ist auf Spa ausgelegt.
Auf jeden Fall werden wir trotz unserer Rucksäcke sehr freundlich empfangen und durch die Anlage geführt. Man ist an die München-Venedig-Exoten schon gewöhnt. Offenbar gönnen sich dann doch mehrere der Wandersleut dann mal eine vernünftige Bleibe.
Für den Pool ist es heute schon zu spät, aber vielleicht morgen in der Früh eine kleine Runde. Wir können uns Zeit nehmen, nach der 8h-Tour heute, ist morgen wieder mehr Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens 😄

Aber erst noch das Abendessen. Wie üblich geht vor 19:30 Uhr nix los und wir sind halb fast die ersten Gäste. 21 Uhr ist das Restaurant des Hotels bis zum letzten Platz gefüllt. Zum Samstag war das zu erwarten.
DoDo's Tartar wurde direkt am Platz zubereitet. Für all die Zutaten nach denen gefragt wurde reicht unser Italienisch leider nicht aus, also einfach alles rein 😄
Mein Kaninchen war da einfacher und war nicht minder lecker 😋
Dann einmal Schaulaufen mit den Wanderklamotten durch die todschick aufgepeppten Italiener und ab in die Heia 😴



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