Das Frühstück bei Sergio kann sich sehen lassen. Rückblickend kann man schon jetzt sagen, dass sich da offensichtlich einiges getan hat in Italien und die aus Zwieback mit Marmelade bestehenden primo colazione also die klassischen ersten Frühstücke der Italiener nur noch selten anzutreffen waren.
Nach dem trägen warmup für den Tag ging es dann erst halb 11 los. Wir sind und bleiben halt Langschläfer.
Dann folgen wir der Strada del Prosecco oder wenn möglich den Wirtschaftswegen nebenher. Einmal müssen wir umkehren, da der Besitzer alles mit privato Schilder verbarrikadiert hatte.
Den eindeutigen Traumpfad gibt es hier nicht mehr, jede Quelle beschreibt den Weg etwas anders und vermutlich verändert er sich auch mit der Zeit wieder. Berichte nach denen es nach den Alpen in endloser Straßenhatscherei endet, können wir nicht so recht nachvollziehen. Wer natürlich jeden Tag 40km schruppen möchte, hat keine Muse sich etwas mit der Gegend zu beschäftigen und nimmt dann halt die Straßen. Aber das ist ja das schöne an der Tour, jeder kann sie in seinem Stil gehen. Uns gefällt es auf jeden Fall durch die Weinberge zu ziehen und mal ein paar km Straße dazwischen stören da gar nicht so sehr.
Nach 2h erreichen wir das Castello di Collalto, eine Burgruine mit intakter Kirchenanlage.
Hier müssen wir uns entscheiden, schon was essen oder bis heute Abend warten, dazwischen gibt es keine Möglichkeit mehr. Festpreismenü für 12€ bietet das Wirtshaus in großen Lettern an und ist bei den Bauern und Bauarbeitern der Gegend offensichtlich schwer beliebt. Na dann testen wir das doch auch mal.
Ein Teller Nudeln und Bresaola, das passt. Da ich irgendwie noch keinen Wein mochte - warum wohl 🍾🤜🤪 - gab es gleich nochmal 2€ Rabatt. Da sage mal einer gut Essen gehen, sei in Italien teuer 😉
Mit vollem Magen müssen wir weiter, aber die kleinen Hügelchen kommen wir gerade noch hoch. Zumindest hier hat die Literatur recht behalten. Fiel einem an der Isar das ständige auf und ab mit dem Rucksack noch schwer, hat man sich nun wirklich ganz gut daran gewöhnt. Aber man könnte trotzdem gut auf das Gepäck verzichten und hier einfach gemütlich entlang schlendern.
Wir stehen auf dem letzten Hügel. Noch einmal hinab und dann durch die Schwemmlandeebene bis zur Lagune von Venedig. Klingt so nah und mit dem Auto wären es auch nur gut 40km bis Mestre auf der anderen Seite der Lagune. Wir aber folgen dem Piave und müssen einen großen Bogen laufen. Noch 83km in den letzten drei Tagen, volles Programm also. Dafür gibt es aber 0 Höhenmeter 😉
Und da ist er wieder der Piave. Weit im Osten entspringt er den karnischen Alpen und schlägelt sich geschickt am Südrand der Dolomiten gen Westen bis er schließlich vom Monte Grappa nach Süden in die Ebene gezwungen wird.
Man hat ihm viel Platz gelassen, um im Frühjahr das Schmelzwasser zur Adria zu bringen. Links und rechts schützen Dämme die Ortschaften. Das ist für uns ganz prima, denn wir können auf dem Damm entlang wandern und kommen so nur selten in Kontakt mit dem Verkehrschaos des Ballungsgebietes.
Nach knapp 6h Gehzeit erreichen wir das Hotel Liberty. Wir haben nun immer Unterkünfte gewählt, die möglichst nah am Weg liegen. Gar nicht so einfach, die Ortschaften sind meist so 3-4 km neben dem Fluss.
Ok, so langsam geht's wieder und trara, man will ja nicht unhöflich sein. Ausreden fürs Trinken gaben glaub ordentlich Punkte beim Suchttest 🤣
Abendessen gibt es keines am Hotel. Aber die gute Frau kennt schon die Wandersleut und weiß, dass die nicht nochmal 3km in die Stadt laufen wollen. Sie bietet gleich an, beim Pizzaservice zu ordern. Das nehmen wir doch gerne an.
Nun noch die tägliche Herausforderung die guten Sachen am Abend nicht voll zu kleckern. Erstaunlicher Weise ist mir das bisher ganz gut gelungen. Mangels Ablenkung wird noch schnell der Bericht geschrieben und im 5min-Takt der Wetterbericht analysiert. Der angesagte Regen will iwie nicht verschwinden.
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