Vor 16 Jahren hatten wir die Tour bei einer unserer Karwendeldurchquerungen schon einmal gemacht. Schon damals war das anstrengend. Heute wiegen wir ohne Rucksäcke mehr als damals mit und das ist leider kein Scherz. Lassen wir uns überraschen, was die alten Knochen dazu sagen.
Also halten wir uns an den vom Wirt verkündeten Marschplan, sprich 6 Uhr klingelt der Wecker, ab 7 Uhr gibt es Frühstück und gegen 8 ist der Massenstart gen Gipfel. Gefühlt will die halbe Hütte dort hoch.
Bereits kurz nach der Hütte führen Drahtseile durch einen Felsriegel und zeigen Unterschiede in der Geländetauglichkeit der Bergsteiger. Schwierigkeiten bereiten die Stellen letztlich nicht wirklich.
Dann folgt einfacheres Gelände und es geht stetig aufi wie es der Einheimische nennt. Die Gruppe, mit der wir gestern zu Abend gegessen hatten, stürmt mit der Kraft der Jugend an uns vorbei. Ok, wir wollten uns ja eh beeilen, also bleibe ich dran.
Oben im Schlauchkar wird das Geröll steiler, ich bin ganz froh drüber. Einige haben Probleme auf dem rolligen Gestein und es geht langsamer vorwärts. Wir strolchen ja zum Glück schon ein paar Jahre durchs Gebirge und sind mit solchem Gelände vertraut. Bereits nach 2h sind die ersten 900 Hm geschafft und wir stehen im Schlauchkarsattel 2.623m. DoDo kommt nur wenig später an. Geht ja doch noch 😁
Blick vom Sattel nach Norden. Die letzten Berge vor der Ebene in Bildmitte sind Benediktenwand und Brauneck. Die aufmerksamen Leser kennen sie noch.
Für den Abstecher auf den Gipfel sind 50min veranschlagt. Steil geht es nach oben und immer wieder ist Kraxelei erforderlich. Das ist genau unser Ding, also nichts wie hoch. Die Rucksäcke können getrost in der Scharte bleiben, die trägt hier keiner freiwillig weg 🤣Gar nicht so wenige verzichten auf den Gipfel, eine vernünftige Entscheidung.
Am alten Birkkarbiwak beginnt der Steig mit einer zackigen Drahtseilstelle. Dann immer über Bänder aufwärts. Unseren ersten Besteigungsversuch der Birkkarspitze mussten wir hier einmal abbrechen, da alles vereist war.
Nach 20min sind wir schon oben. Die Birkkarspitze - mit 2.749m der höchste Punkt des Karwendelgebirges - ist erreicht und bietet uns ein herrliches Panorama.
Nach einer ausgiebigen Fotopause und Gipfelplaudereien geht es wieder an den Abstieg. Hier ist nochmal Konzentration gefragt, sonst geht es schneller abwärts als geplant.
Bald sind wir wieder bei den Rucksäcken. Für eine Rast pfeift der kalte Wind hier oben noch zu sehr. Also weiter geht's. Der Abstieg ist ja eh die eigentliche Quälerei mit dem Gepäck.
Zunächst geht es in eine seilversicherte Rinne, die erstaunlich steil ist. Hoffentlich tritt hier weiter oben keiner einen Stein los. Dann etwas leichter aber immer noch gesichert über Felsstufen hinab.
Man staunt, wer sich einen solchen Weg so alles zutraut. Der größte Teil des Wandervolkes hat freilich keine Probleme, aber man sieht auch angstverzerrte Gesichter an den Drahtseilen und im rolligen Gelände geht es dann nur noch im Kaffebohnenschritt vorwärts. Ungläubig wird man beäugt, wenn man zügig vorbei geht oder entspannt die Geröllabfahrt neben dem Weg nimmt. Auf jeden Fall hat der Steinbeißer heute viel zu tun. Er lauert im Geröll und ernährt sich von den Pobacken gestrauchelter Bergsteiger. Zum Glück haben Steinbeißer ein stumpfes Gebiss, so dass es meist bei einem schönen blauen Fleck am Hintern bleibt. Auch bei DoDo schnappt er in einem unachtsamen Moment einmal zu 🤣
Nach dem steilen Geröll erstmal die verdiente Rast. Wir verzehren Brot und Kaminwurzen, die wir zu einem deftigen Preis im Karwendelhaus erstehen konnten. Geschmeckt hat es auf jeden Fall und die Pause tat gut.
Nach dem Schotter ist erst der halbe Abstieg geschafft. Weiter durch Latschenkiefern hinab, hinab, hinab.
Aber auch 1.550m Abstieg enden irgendwann einmal und ein kurzer Gegenanstieg führt zur Kastenalm (1.220m).
Hier sind wir wirklich dankbar für Kaffee und Kuchen. Ein alkoholfreies Bierchen gleicht den Mineralienverlust aus und das Sitzen tut einfach nur gut. Der Abstieg ist geschafft, doch vor uns liegt noch der Anstieg hinauf zum Halleranger. Nochmal gut 500 Hm müssen wir hinauf. Alpine Herausforderungen warten auf der Forststraße keine mehr. Für die Radler, die uns auf dem Heimweg entgegen kommen, sieht das schon anders aus. Die Straße ist steil und holprig.
Kurz vor 6 stehen wir dann am Hallerangerhaus 1.768m.10 Stunden waren wir unterwegs und viele Pausen gab es nicht. Klar gab es flottere Mitwanderer, doch das Gros des Wandervolkes trudelt noch nach uns ein. Die alten Knochen konnten sich also noch erinnern und wir haben es nach 16 Jahren wieder geschafft. Wenn wir das in 16 Jahren nochmal sagen können, meint es der Herrgott gut mit uns.
Die Hütte ist komplett modernisiert und angenehm hell. Wie üblich gibt es nur spartanische Zimmer, aber wir können gegen Gebühr duschen. So freut man sich auch über Kleinigkeiten 😁. WLAN und Mobilfunk gibt es wieder nicht, die Leserschaft wird sich langsam Sorgen machen 😱 Ihr habt da leider bissl viel auf einmal zu lesen.
Nach dem lecker Abendessen - aber nach so einer Tour schmeckt eh alles - werden wir noch mit einem an Kitsch grenzenden Sonnenuntergang belohnt.
Ein genialer Abschluss für einen wunderschönen erlebnisreichen Tag.
Für alle die immer fragen, wie viele km macht ihr da so am Tag?... Das waren heute in 10h nur 15km. Beim Bergtest zu Wehlen läuft man die 36 km mit 1.400 Hm locker unter 8 Stunden. Für den Jubiläumsgrat hab ich für die 7km mit leichtem Gepäck auch 8h gebraucht und war danach fix und alle... Im Gebirge sind km halt Schall und Rauch.
wunderschöner Himmel einfach spitze sieht alles nicht einfach aus
AntwortenLöschengutes Wandern
Verena