Donnerstag, 3. September 2020

Tag 17 - Vom Pfitscher Joch nach Pfunders

Morgenstund hat Gold im Mund. Ab 7 Uhr gibt es Frühstück und 5 nach 7 sind wir im Gastraum. Wir dachten noch, so früh wären wir die ersten Gäste, doch weit gefehlt. Auch die MTBer wollen offenbar früh los und so ist die komplette Hüttenbelegung schon am Buffet. Wir ordern noch 4 Kaminwurzen mit Brot als Marschverpflegung und sind angenehm überrascht, dass die Wirtsleute ihr Versorgungsmonopol hier oben nicht wie leider oft üblich für horrende Preise ausnutzen. So geht's auch 👍

Ein vielversprechender Morgen am Pfitscher Joch

Während des Frühstücks muss der Wirt noch eine Reihe kurioser Telefonanfragen beantworten. Da wird gefragt, ob es regnet und wann die Sonne scheint und ob es sich heute überhaupt lohnt heraufzukommen. Hallo, was soll der Mann da sagen? "Kommen Sie doch lieber bei blauem Himmel und Sonnenschein, wenn mir die Leute hier eh die Bude einrennen. Heute könnt's bewölkt sein, bleiben Sie da lieber unten und pubsen in den Sessel." Schon witzig manchmal. 

Vor lauter Belauschen fremder Telefonate 😱 oder vielleicht auch nur wegen dem bei uns üblichen Gemuddel am Morgen verpassen wir die Abmarschzeit doch wieder um 25min. Erst kurz vor halb 9 geht es los.

Im Vergleich zu den letzten Tagen grandioses Wetter. Es ist zwar frisch im Hochnebel, aber kaum Wind und ab und an schaut die Sonne durch. So kann es gerne weitergehen ☀️.

Gleich am Morgen steil den Hang hinab ist gewöhnungsbedürftig. Irgendwie ist man darauf konditioniert, dass es morgens erstmal rauf geht. Aber das kommt noch. 300m tiefer an der letzten Kehre sind wir von dem Gestolper so genervt, dass wir auf die Schotterpiste, die zum Joch hinauf führt, ausweichen. Meine mahnenden Worte, dass uns das einen knappen km mehr Strecke einbringt, werden ignoriert. Ignoriert werden kann ich mittlerweile halt schon richtig gut 🤣

Nach einer knappen Stunde haben wir die ersten 550m Abstieg geschafft und wir überqueren den Pfitscher Bach.
Das geht diesmal ganz luxuriös per Brücke. Nun folgt der lange Anstieg hinauf zur Gliederscharte.
Das Tal hinter und dann rechts steil aufwärts und schon sind wir da...
Der Blick auf halbem Wege zurück zeigt, das zieht sich. Und um dafür zu sorgen, dass uns dabei nicht langweilig wird, wurden bei den weiteren Bachquerungen die Brücken auch wieder eingespart.


An einigen Stellen hat der Regen den Weg weggespült. Hier müssen wir uns richtig was einfallen lassen und auf dem abschüssigen weichen Gelände heißt es dann mal die Pobacken zusammen kneifen. Aber geht schon immer irgendwie.

Auf den Wiesen pfeifen die Murmeltiere permanent Alarm und ab und an kommt sogar eins vor die Linse
Ok, hier hätte ein ordentlicher Fotoapparat schon Vorteile gegenüber dem Handy. Aber von derlei Luxus haben wir uns schon vor Jahren verabschiedet. Die alten Murmeltierbilder schaut eh keiner mehr an. Welch Wunderwerk der Technik das kleine leichte Gerät ist, das Fotoapparat, Navi, Bibliothek, Schreibmaschine für den Blog und Spielzeug so angenehm vereint, wird einem erst bewusst, wenn man mal an die Touren der 90iger Jahre zurück denkt. Für eine Dolomitendurchquerung hatte man da einen ganzen Stapel an Karten dabei. Ach ja, telefonieren kann man mit dem Teil zur Not auch noch 🤣

Unterwegs treffen wir noch das 3er Team aus der Dominikushütte, die bis zum Grödner Joch den gleichen Weg gehen wie wir. Die Schlechtwetterfront hat das Feld der Weitwanderer aber schon dezimiert. Im Karwendel hatten wir immer noch den einen oder anderen Venedig-Aspiranten getroffen.
Drei junge Herrn aus München sind wohl mit dem Zug zurück und wollen erst bei besserem Wetter wieder einsteigen. Ist dann aber irgendwie nicht das Gleiche und das Anpassen der Tour an die Bedingungen hat ja auch seinen Reiz.

Im letzten Drittel des Aufstiegs bieten sich immer wieder schöne Ausblicke zum Hochfeiler mit seinen Gletschern.
Bis kurz vor der Scharte begleitet uns der angenehme Mix aus Sonne und Wolken. Dummerweise setzen sich die Wolken dank der aufsteigenden Feuchtigkeit doch durch und wir steigen durch ein graues Meer aus Quellwolken. Oben in der Gliederscharte (2.644m) angekommen, pfeift dazu noch der Wind und so ist es hier arg ungemütlich. Also schnell die Wintermontur angelegt, ein Foto gemacht und abwärts.
Auch gut 100m tiefer am schönen Grindlbergsee ist uns noch keine Rast vergönnt. Hier gesellen sich noch leichte Graupelschauer dazu. Schmuddelwetter pur, ich vergesse sogar ein Foto zu machen.

Aber noch vor der Engbergalm kommt die Sonne wieder durch und der Wind legt sich. Perfekt, nun können wir rasten und die Kaminwurzen schmecken so richtig gut. Zwei Mandarinen, die ich auch schon seit Innsbruck mit mir herumschleppe, runden das Menü ab.

Kurz darauf erreichen wir die Engbergalm (ca. 2.100m). 
Hier war sich die Literatur uneins, ob man hier etwas zu knabbern bekommt. Daher haben wir lieber die sichere Variante mit Selbstversorgung gewählt. Wäre aber gar nicht nötig gewesen, die Almler sind da und eine Käsejause hätte es auch gegeben. Gegessen hatten wir gerade, aber den Kaffee nehmen wir dankbar an.

2x 550m sind wir heute schon abgestiegen, nun folgen nochmal 1.000m hinab nach Pfunders. Von nun an aber recht bequem auf der Almstraße. Mehrfach treffen wir auf Traktoren und Baustellen, die die kleinen Muren beseitigen und die Schäden am Weg ausbessern, die das Sauwetter der letzten Tage verursacht hat. Hier wird deutlich, die Idylle der Almen zu erhalten, erfordert permanenten Einsatz.

Wir erreichen Dun die erste Ortschaft des Pfunderer Tals. Von uns aus hätte hier gerne schon Schluss sein können, aber eine gute Stunde müssen wir noch bis zum namensgebenden Hauptort mit seinen Herbergen. Die letzte halbe Stunde müssen wir auch noch die Schirme aufspannen. Die Quellwolken entleeren sich hier hinten im Tal, während uns vorn der blaue Himmel anlacht.

Die letzten Meter zum Wieserhof.
und geschafft, kurz vor 18 Uhr erreichen wir den Wieserhof. Hier werden wir nun 2 Tage verweilen.

Am Abend verquatschen wir uns mit den anderen Gästen und so gibt es den Bericht mit etwas Verspätung am nächsten Morgen.

An der Stelle nochmal lieben Dank für das viele positive Feedback zum Blog. Ohne die Leser hätte ich den Tag sicher nicht mehr dokumentiert. Mal schauen, ob ich durchhalte. Mein liebes Frauchen arbeitet natürlich auch mit und muss die ganzen Tippfehler ausmerzen. Sonst müsste ich mir den Quatsch, den ich schreibe, auch noch selbst durchlesen 🤪




1 Kommentar:

  1. sehr sehr lebendig und gut nachvollziehbar geschrieben. Ja das Wetter können wir nicht bestimmen.
    Guten Weg weiterhin, war in Copitz, 2 Schwäne wie immer und ich. geht noch kältemässig

    Gruss von nebenan
    Verena

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