DoDo ist schon vor 8 fertig und marschiert los, ich hab 5min zu lange gelegen und muss mir den Wellnessbereich - also das einzige Waschbecken - dann mit den anderen teilen. Eine viertel Stunde später folge ich.
Noch vor dem Pass La Varetta wird der Ausreißversuch vereitelt und es geht gemeinsam weiter. Auf dem Bild im Hintergrund nochmal das Tagesziel, die Schiara. Wir werden hinauf in die linke Scharte (von den Ästen bissl verdeckt) steigen und dann im auf und ab über den Grat bis zum höchsten Punkt gehen. Die kleine Nadel rechts unterhalb des Hauptgipfels nennt sich La Gusella und ist Kletterern vorbehalten.
Zunächst umgehen wir die Cima Nerville westseitig auf guten Steigen. Nach dem Wiesengelände werden die Stöcke verstaut und es geht über Felsstufen aufwärts in die Forcella Marmol bis zum Einstieg des Klettersteiges.
Wir queren für ca. 20min einen seilversicherten Felsriegel und erreichen die Abzweigung zum Gipfel, 4h haben wir bis hier benötigt.
Nun können wir Ballast abwerfen und steigen ohne Rucksäcke unschwierig zum Vorgipfel. Hier beginnt dann der eigentliche Gratweg hinüber zum Hauptgipfel.
Ernste Schwierigkeiten stellt der Grat zwar nicht, doch konzentrieren sollte man sich schon. Links und rechts geht es luftig in die Tiefe. Die Kuppe oben im Bild ist leider noch nicht der Gipfel.
Auf jeden Fall sind die spannendsten Stellen gut mit Drahtseilen entschärft.
Nach einer 3/4h ist es dann geschafft. Wir stehen auf dem höchsten Punkt mit zumindest theoretischer Sicht gen Mittelmeer. Aber dazu ist es heute schon zu dunstig.
Gipfelkreuz gibt es auch keins, dafür ein ordentliches Gipfelbuch. 2016 ausgelegt und noch nicht mal halb voll. Viele verirren sich also doch nicht hier hoch. Die meisten München - Venedig - Geher bzw. Begeher des Dolomitenhöhenweges 1 werden ohnehin die weniger alpine Variante über das Rif. Bianchet bevorzugen oder zumindest den Gipfelabstecher auslassen. So beschränkt sich die Kundschaft hier oben auf die Begeher der anspruchsvollen Klettersteigrunde aus dem Tal. Nach dem Sightseeing am Gipfel geht es auf gleichem Weg wieder zurück zu den Rucksäcken. DoDo ist ja bekanntlich die einzige Bergsteigerin die hinab länger benötigt als hinauf, so hat uns der Abstecher mit Gipfelpause dann doch 2h gekostet. Die Säcke hatte uns auch heute wieder keiner ins Tal getragen und sie stehen noch gut verzurrt am Abzweig. Auch gut so, dann können wir die Rucksäcke selbst erleichtern und unsere Vorräte vernichten. 10min später am schönen Bivacco Marmol ist der perfekte Platz dafür.
Eine der wenigen gut ausgestatten und gepflegten Biwakschachteln, die ich kenne. Sechs Personen finden hier im Notfall Platz. Auch wir kehren bach dem Picknick brav unsere Krumeln wieder aus dem Biwak und dann geht es auf zum 3-stündigen Abstieg. Vorher wird noch der Gurt angelegt, man weiß ja nie, was so passiert.
Aber irgendwann beschließt sie, dass heute die Steinbeiser recht aktiv sind und es ist zuviel Geröll und der Sack stört... und... und... und. Auf jeden Fall, da ist sich Frauchen ganz sicher, sollte man sich besser nur sehr vorsichtig und langsam bewegen, sehr langsam 🙈. Omg, so werden wir es kaum im Hellen nach unten schaffen 😱
Der angetraute Sherpa ist schon nervlich ziemlich angespannt und erinnert sich daran, dass er mal jung und fit war. Also dann mal los, etwas Training kann nicht schaden. Die Strecke wird in Etappen doppelt absolviert, erst meinen Rucksack und dann den von Frauchen, im leichten Gelände auch mal beide zugleich. So bin ich beschäftigt und muss mich zumindest nicht über das Gebummel aufgregen. Bissl schneller geht es ohne Sack auch für DoDo voran, die klassische win-win-Situation, fragt sich nur, ob wirklich für alle 🤪. Na zumindest waren wir so noch vor der ständig Steine lostretenden italienischen Klettersteigtruppe aus der steilen Schlucht und damit aus der Gefahrenzone. Sowas kann echt gefährlich werden. Nur um dem Shitstorm vorzubeugen, ich war es nicht, der unbedingt noch zum Gipfel wollte. DoDo ist die unersättliche Gipfelsammlerin.
Doch noch im Hellen ist um 18:15 Uhr dann der feierliche Einmarsch am Rifugio. Reichlich 10h waren wir unterwegs und es gab nur eine kleine Selbstversorgerpause. Noch so einen Tag könnten wir nicht dranhängen, die Füßlein schmerzen und so ziemlich alles andere auch 🤣.
Verena hatte gefragt, wie weit es noch nach Venedig ist. Am Morgen waren es noch 159km. Wir haben mit dem Gewaltmarsch heute ganze 9km davon geschafft 😱 Im Flachland wird es km-mäßig definitiv besser werden. Aber unsere Berge werden wir dann schon bissl vermissen.
Das Rifugio ist zwar noch nicht großartig modernisiert, aber die Betreiber sind nett. Nur 2 weitere Gäste sind hier und jeder bekommt seinen eigenen Raum im Lager. Das kennt man durchaus auch anders und alle werden in einen Raum gepfercht, um ja nicht so viel putzen zu müssen. Die Auswahl beim Abendessen ist schon etwas eingeschränkt. Kein Wunder, wir sind so ziemlich die letzten Gäste. Am Samstag ist bereits Saisonschluss für die italienischen Berghütten. Geschmeckt hat das Resteressen aber vorzüglich.
Der jungen Italienerin die auf dem Alta Via Nr. 1 unterwegs ist, erklären wir, dass wir den Weg vor 20 Jahren auch mal gegangen sind. Sie ist total begeistert und dachte bestimmt, wir kannten auch Ötzi noch persönlich. In solchen Situationen kommt man sich dann iwie alt vor 🤪
Nach den anstrengenden Etappen der letzten beiden Tage geht es morgen quasi als Vorbereitung auf den Pausentag gemütlich bergab. Knapp 5h Abstieg nach Belluno... Das sollten auch die müden Knochen noch hinbekommen.
Auf den Hütten waren Netz und Stromversorgung bissl schwierig, daher ist jetzt ein Tag Verzug im Liveticker. Ab Freitag ist dann wieder alles Realtime 😁
Moin, super Bilder und sehr gefährlich.... Schönen Tag euch
AntwortenLöschenLg
Ich kann deine Frau gut verstehen, bergab bin ich auch immer im Schneckentempo unterwegs und beneide immer die fröhlich an mir Vorbeisausenden ...
AntwortenLöschenDanke weiterhin für die unterhaltsamen Berichte und tollen Einblicke in die Tour.
LG