Na egal, pünktlich 07:30 Uhr stehen wir vor einem kuriosen Frühstücksbuffet. Alles wird uns in kleinen Portionen auf Teller mit Folie präsentiert. Corona hat so sicher keine Chance, aber die Greta würde das Ende der Welt nahen sehen und hier nicht mal ganz zu Unrecht. Wir schleppen jeder 5 Teller mit je 2 Scheiben Wurst und Käse oder halt einfach 2 Scheiben Brot drauf zum Tisch. Aber tatsächlich ist das mal eine Form des Buffets, bei der man keine Angst haben muss, dass vor einem der Superspreader zu Gange war.
So gestärkt, man könnte es es auch als vollgefressen bezeichnen, geht es dann gleich ordentlich bergauf. Immer unter der Seilbahn *würg* geht es durch den Gletscherschliff hinauf.
doch bald wird der Blick nach Osten frei. Von dort kommt also diesmal die Schlechtwetterfront.
400m höher und eine Stunde später erreichen wir die Wegeteilung. Alle Wegweiser locken in Richtung Hütte am oberen Ende der Seilbahn, das wäre aber ein Umweg. In den Karten ist ein unmarkierter Steig vermerkt, der die zusätzlichen Höhenmeter vermeiden würde. Nach einem Jahr ohne Seilbahn muss es da doch Pfadspuren geben und tatsächlich nach 50m der erste Steinmann. Na wenigstens den Anstieg zur Hütte und dann wieder hinab umgangen.
Direkt über dem Weg setzt jetzt schon der Marmolada Gletscher ein. Der Gipfel ist hüllt sich schon in Wolken. Vor ein paar Jahren war bis zum Weg noch alles vergletschert. Die Felsen sind vom Eis glattgeschliffen und rutschig. Die Natur setzt auch in dieser unwirtlichen Steinwüste schon ihre Zeichen und erste Pflanzen siedeln sich an.
Wir queren weiter nach Westen und mühen uns ein Schuttfeld nach oben. Die Orientierung wird schwierig, es fehlt irgendwie an den Vorausgehenden und vermeintliche Pfadspuren enden öfters im Nichts. Aber die grobe Richtung passt, wir müssen zum Vernell Gletscher, einem kleineren Seitengletscher.
Da ist er. Noch hässlicher als in der Erinnerung. Vor 18 Jahren gab es hier noch ordentlich Eis und eine eindeutige Steigspur. Leider ist das Ding auch steiler als es im Weitwinkel scheint.
Trara, nun es ist Zeit für die letzten ungenutzten Rucksackutensilien.
Mit den Grödeln an den Füßen erscheint es machbar. Ohne wäre hier heute für uns Schluß gewesen. Vor 18 Jahren kam ich noch ohne Equipment nach oben und hatte mich ordentlich gegruselt. Heute fühle ich mich selbst mit den Grödeln unwohl und ich wünsche mir feste Schuhe und Steigeisen herbei. Aber wer will damit schon nach Venedig. DoDo ist im Gipfelfieber, übernimmt die Führung, sucht einen Weg durch den lose auf dem blanken Eis liegenden Schutt. Tapferes Frauchen 👍
Der Abschnitt bleibt undokumentiert, ich bin mit mir beschäftigt und hab keine Zeit für Fotos 😳 Kommt auch mal vor.
Zum Glück währt das Elend nicht lange und wir erreichen den Einstieg des Klettersteiges. Von oben kommt uns eine Dreierseilschaft entgegen, sie sind bereits umgekehrt. Die Wolken sehen einfach zu regenschwanger aus. Nun ja, bis in die Scharte müssen wir den Klettersteig auf jeden Fall folgen, dann sehen wir weiter.
Auch hier sind wir ganz froh uns einhängen zu können. Unangenehm rutschig sind die Felsen, da von oben ständig Wasser darüber läuft.
Kurz darauf sitzen wir in der Scharte (Forcella Marmolada, 2.885m)
Direkt neben den Stellungen aus dem 1. Weltkrieg würde der Steig zum Gipfel führen. Gerade gewinnt zwar die Sonne kurz die Oberhand, aber spätestens ab 14 Uhr wird Regen prognostiziert. Es ist bereits 12 Uhr, das Risiko wäre einfach zu groß. Ca. 3 Stunden würden wir zum Gipfel und zurück noch benötigen, selbst wenn wir die Rucksäcke hier unterstellen könnten. DoDo zeigt sich einsichtig. Normal ist sie es, die in solchen Situationen doch lieber nicht auf den Gipfel verzichten mag.
Also auf der anderen abwärts in das Contrintal. Sagt sich leichter als es ist. Der Steig wurde neu verlegt und ist nun deutlich sportlicher angelegt. Immer wieder mal auf Gegendruck am Seil hangeln und den nächsten Trittbügel erreichen.
Tolle Sache mit dem Tagesrucksack, mit Schlafsack und Wechselwäsche im Gepäck muss man sich schon ordentlich festhalten.
Ich kann mich für die Führungsarbeit am Gletscher revanchieren und mache die Strecke doppelt. Ohne Rucksack kann dann auch DoDo wieder lächeln 😄
Dann folgen noch 500m steiler Schotter. Hier rächt sich, dass Frauchen Geröllabfahrten nie übt. Sie muss den schrecklichen Weg klassisch absolvieren und das dauert.
Durch die linke Scharte kamen wir, rechts davon die Marmolada.
Wieder im flacheren Gelände erstmal Rast. Immerhin sind wir schon 4 1/2h unterwegs und das Gelände war das alpinistisch mit Abstand anspruchsvollste der ganzen Tour. Naja, eigentlich gehört es ja auch gar nicht zum Traumpfad München-Venedig. Der nimmt den bequemen Wanderweg vom Stausee nach Alleghe. Wir wollten es halt bissl aufpeppen 🤪
Auch wenn die Beschreibung ernst klingt, hat es uns schon Spaß gemacht. Auf den Gipfel zu verzichten, ist aber nie ganz einfach, gehört aber auch dazu. Die Bedingungen haben sich in den letzten Jahren so verschlechtert, dass man die Überschreitung der Scharte mit Weitwandergepäck dem unerfahren Tourengeher nicht mehr empfehlen kann (Stand 09/2020).
Schließlich erreichen wir das schöne Rifugio Contrin
Für die Kilometer-Fetischisten unter euch...wir haben für die 7,5km mit kurzer Pause 6h gebrauch und das ist auch die angegebene Gehzeit 😱
Das eigentliche Drama... die Siegesserie beim Fitnesstracker ist in Gefahr. Wenn man zu langsam unterwegs ist, zählt der einfach keine Schritte. Also dann nicht im Rifugio gestärkt, sondern den Almrundgang gestartet. Erst zur Alpini-Kapelle
Man sieht schon, rein wettertechnisch war es die richtige Entscheidung. Wäre nicht lustig geworden da oben.
Rifugio (also Schutzhütte) ist eigentlich zu tief gestapelt für das Contrin. Die Zimmer sind hell und freundlich und das Essen lecker.
Draußen noch ein hübscher Sonnenuntergang
also der Bericht klingt sehr anspruchsvoll. mannometer
AntwortenLöschenbravissimo
lg V